
Oldenburger Schlüsselgespräche 2026
Debatte: Meister des E-Handwerks
Wie die Finger einer Hand
Oldenburger Schlüsselgespräche 2026 nehmen die Schwerpunkte der E-Meister unter die Lupe
Oldenburg, 15. Juni 2026. Die fünf Meisterschwerpunkte des E-Handwerks arbeiten wie die Finger einer Hand: unterschiedlich in ihrer Funktion, aber untrennbar im Zusammenspiel. Diese Erkenntnis prägte die fünften Oldenburger Schlüsselgespräche, die unter dem Titel „5 Meister des E-Handwerks – Fünf Meisterkarrieren, fünf Wahrheiten“ am Bundestechnologiezentrum für Elektro- und Informationstechnik (BFE) stattfanden. Während Vertreter aller fünf E-Meisterwelten über Gemeinsamkeiten, Unterschiede und künftige Entwicklungen diskutierten, richtete ZVEH-Präsident Stefan Ehinger den Blick auf den Wandel des Berufsbildes insgesamt.

Schlüsselgesprächen am BFE.
Foto: V. Shields
Der E-Meister Energie- und Gebäudetechniker als Vermittler
Infolge der rasanten technischen Entwicklung entstehen immer neue Spezialisierungen. Für Kunden sei die Welt der E-Handwerke daher zunehmend schwer zu überblicken. Viele fragten sich: Welcher Betrieb ist für mein konkretes Anliegen der richtige?
Erster Ansprechpartner sei der örtliche Elektrobetrieb, so Martina Rybakowski vom Meisterbetrieb von Spreckelsen sowie Obermeisterin der Elektro-Innung Cuxhaven, die die Elektrotechnikermeister Energie- und Gebäudetechnik auf dem Podium vertrat. Der Elektriker sei nah am Menschen, helfe bei Entscheidungen und unterstütze bei akuten Problemen. „Wir wissen, wen wir dazu holen müssen, wenn wir nicht weiterkommen“, sagte Rybakowski. Die Innungen spielten dabei eine wichtige Rolle, weil sie Betriebe miteinander vernetzten und Orientierung ermöglichten.
Im Verlauf der Diskussion wurde die Rolle des Elektrotechnikermeisters Energie- und Gebäudetechnik mit der eines Hausarztes verglichen: Er ist häufig die erste Anlaufstelle und verweist bei speziellen Fragestellungen an entsprechende Spezialisten.
Spezialisierung statt Universalmeister
Die fünf Meisterprofile – Energie- und Gebäudetechnik, Gebäudesystemintegration, Informationstechnik, Automatisierungs- und Systemelektronik sowie Elektromaschinenbau – stünden nicht in Konkurrenz zueinander, sondern ergänzten sich zunehmend. Durch die Vernetzung technischer Systeme und den Einsatz künstlicher Intelligenz würden die Übergänge zwischen den einzelnen Schwerpunkten zwar fließender, und Kenntnisse angrenzender Fachgebiete gewännen an Bedeutung. Gleichwohl herrschte Einigkeit auf dem Podium und im Publikum darüber, dass die zunehmende Komplexität der Technik eine Spezialisierung erforderlich mache. Einen „Meister für alles“ werde es daher auch künftig nicht geben.
Meister sind die besseren Betriebsgründer
Den Blick auf die langfristige Entwicklung richtete Stefan Ehinger, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). In seinem Vortrag „Der E-Meister im Wandel der Zeit“ ging er der Frage nach, welche Rolle Meisterpflicht, Ausbildung und Qualitätsversprechen künftig spielen würden.
Ehinger betonte die Bedeutung des Meistersystems als Garant für Qualität, Ausbildung und unternehmerische Verantwortung. Dort, wo der Meistervorbehalt gelockert worden sei, habe die Zahl der Betriebsgründungen zwar kurzfristig stark zugenommen, zugleich sei jedoch die Zahl der Auszubildenden gesunken. Auch wiesen meistergeführte Betriebe eine höhere Bestandsquote auf als Betriebe in weniger regulierten Gewerken, so Ehinger. Vor diesem Hintergrund werde der Meister nicht nur als Qualifikationsnachweis verstanden, sondern auch als Strukturmerkmal eines stabilen Handwerkssektors.

(Martina Rybakowski), Moderator (Jan-Bastian Buck), sowie die Vertreter der Schwerpunkte Informationstechnik
(Jörg Schmidtpott), Elektromaschinenbau (Torsten Schalow) und Automatisierungstechnik/Systemelektronik
(Janik Wilder) füllten das Podium.
Foto: V. Shields
Die KI fährt nicht zum Kunden
Wie bereits in den Vorjahren lebte die Veranstaltung vom Austausch unterschiedlicher Perspektiven. In der Steckbriefrunde und im anschließenden Schlüsselgespräch wurden Gemeinsamkeiten und Unterschiede der fünf Meisterwelten offen diskutiert. Im Mittelpunkt stand immer wieder die Frage, wie sich die Stärken des Meistersystems im Wandel der Zeit bewahren lassen. Dass die Systemrelevanz des Elektromaschinenbaus für die gesamte Wirtschaft lauter und deutlicher kenntlich gemacht werden müsse, bevor sinkende Ausbildungszahlen den Bereich in Gefahr brächten, war ein weiteres Ergebnis der Veranstaltung.
Zum Abschluss griff Dieter Meyer, Vorstandsvorsitzender des BFE, zentrale Aussagen der Diskussion auf. Immer wieder sei deutlich geworden, dass der Meister als „Qualitäts- und Verantwortungsrahmen“ nicht ersetzbar sei und auch nicht in Gefahr. Meyer hob hervor: „Die KI fährt nicht zum Kunden.“